Unsere Geschichte

Bewährungsproben, Siege, Verluste

Es schien, als wäre der neue Bauernbund der richtige Weg und damit nicht aufzuhalten. Am 20. Mai 1909 versammelten sich 1.000 Delegierte aus den Kronländern und 25.000 Bauern aus Niederösterreich. Als zentrale Forderung wurde die Schaffung eines gesamtösterreichischen Reichsbauernbundes verabschiedet. Zehn Jahre mussten allerdings vergehen und ein Weltkrieg überdauert werden, ehe dieser Plan in der Republik verwirklicht werden konnte. 

Stärke zu zeigen in guten Zeiten ist nicht schwierig – Stärke bewahren, wenn es bergab geht, das ist die Kunst. Und der Niederösterreichische Bauernbund bewies, dass er zu einer Vereinigung geworden war, deren Mitglieder bereit waren, zu kämpfen. Denn auf den anfänglichen Höhenflug folgten viele niederschmetternde Tiefschläge. 

Der erste Weltkrieg zog eine Todesschneise durch das ganze Land. Bauernsöhne und Jungbauern mussten einrücken. Bald machte sich eine dramatische Lebensmittelknappheit breit. 10 Millionen Menschen starben, 4 Millionen waren verwundet, gefangen oder vermisst. Die Inflationsrate betrug zwischen 1918 und 1924 1.400 Prozent. 

Auch die Nationalrats- und Landtagswahlen 1919, bei denen auch erstmals die Frauen wahlberechtigt waren, brachten dem Bauernbund nicht die erhoffte Stärkung. Die Christlichsozialen erreichten zwar auf dem Land einen Sieg, dennoch blieben die Sozialdemokraten stärkste Partei. 

Forderung nach bundesweiter Vertretung

Die Mitglieder des Niederösterreichischen Bauernbundes bewiesen jedoch Treue, seine Obmänner ließen sich nicht in die Knie zwingen und so gelang am 24. November 1919 die Gründung des lang ersehnten Reichsbauernbundes, dessen Obmann der niederösterreichische Bauernbundobmann Stöckler wurde. 

Zu dieser Zeit trat erstmals ein nur 1,51 Meter großer Mann in Erscheinung: Engelbert Dollfuß. Der Bergbauernsohn aus Texing wollte ursprünglich Priester werden, wechselte jedoch zum Studium der Rechtswissenschaften. Nach Kriegsende wurde er vom Geistlichen und christlichsozialen Bauernbunddirektor Josef Sturm als Sekretär in die Bauernbundkanzlei geholt und zu nationalökonomischen Studien nach Berlin entsandt. Dort war er auch im deutschen bäuerlichen Organisationsleben beschäftigt und lernte das bäuerliche Genossenschaftswesen bis ins Detail kennen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass in Dollfuß nach und nach der Plan heranreifte, das österreichische Agrarwesen von Grund auf zu reorganisieren.

Ein Weg voller Meilensteine >