Unsere Geschichte

Ruhige Zeiten gibt es nicht

Der Weinskandal des Jahres 1985 erschütterte die österreichische Weinwirtschaft und führte zu drastischen Einbrüchen bei Verkauf und Export des Traubensaftes. Der Schaden für das Image des österreichischen Weines war enorm.

Entstanden ist er wohl durch eine vollkommen fehlgeleitete Agrarpolitik der SPÖ. Waren es doch sozialistische Politiker, die auf die unselige Idee kamen, den Weinbauern der Grenzbezirke zu erlauben, zusätzlich ein halbes Hektar mit Wein anzusetzen. Der Hintergedanke: Das sollte die Bauern zu Hause halten und den Wiener Arbeitsmarkt entlasten. Die meisten Weinhauer nutzten die unerwartete Möglichkeit. Die Rebflächen wurden vergrößert, der Ertrag enorm erhöht, aber: Der ohnehin zu dieser Zeit am Boden liegende Weinpreis besserte sich nicht. Da begann der Weinhandel in letzter Not zu panschen. 

Und gerade in dieser Situation, in der der gute Ruf Österreichs, propagiert durch die fanatische Negativberichterstattung der Medien, vollkommen ruiniert war, betrat ein junger Mann die politische Bühne: Josef Pleil, Nebenerwerbsweinhauer aus Wolkersdorf.

Strenges Weingesetz bürgt für Qualität

Mit Sachverstand, politischem Gespür, Verhandlungsgeschick und Hartnäckigkeit führte er die Weinwirtschaft weg vom alles erschütternden Skandal zu neuer Hochblüte. Sein Credo: Weg von billigen Markenweinen, hin zu Qualität. Und so entstand schließlich ein strenges Weingesetz mit drei Schwerpunkten: Einführung einer staatlichen Prüfnummer, Einführung einer Banderole und Einführung eines Kellerbuches. Schritt für Schritt gelang es Pleil, den Skandal zu bewältigen und den österreichischen Weinbau in eine gute Zukunft zu führen. 

Die 90iger Jahre standen aber noch im Banne einer weiteren, heftigen Diskussion: Beitritt zur EU – Ja oder Nein?Die Skepsis gegenüber einem EU-Beitritt war in der bäuerlichen Bevölkerung besonders groß. Die beiden Bauernbundpolitiker Franz Blochberger und Rudolf Schwarzböck waren nahezu Tag und Nacht im Einsatz, um zu informieren und in zahlreichen Bauernversammlungen alle Für und Wider zu besprechen. 

Von EU-Beitritt bis ÖPUL-Programm

Außerdem leitete Schwarzböck selbst als oberster österreichischer Bauernvertreter neben dem damaligen Landwirtschaftsminister Franz Fischler federführend die Verhandlungen Österreichs über den Beitritt zur EU im Agrarbereich. Dabei konnten zahlreiche Begleitprogramme ausverhandelt werden, die die Auswirkungen des EU-Beitrittes für Österreichs Bauern abfederten. 

Maßgeblich an solch einem Programm beteiligt war Hermann Schultes. Als Obmann des „Distelvereins“ entwickelte er bereits seit 1987 mit tausenden Bauern, Wissenschaftlern und Naturinteressierten die Grundlagen für das heutige ÖPUL, das Umweltprogramm der Landwirtschaft. 

Bis zum Jahr 2000, unter wechselnden, von SP-Kanzlern geführten Regierungen, musste der NÖ Bauernbund immer wieder kämpfen, um sich Gehör verschaffen zu können. Dennoch gelang es ihm, weitere Meilensteine für die niederösterreichische Landwirtschaft zu setzen. 

So wurden auf Drängen des Bauernbundes die Bäuerinnenpension, das Pflegegeld, die Anhebung der Bauernpension, die Senkung des Selbstbehaltes bei Spitalsaufenthalten von zwanzig auf zehn Prozent oder die Anrechnung der Kindererziehungszeiten auf die Pension durchgesetzt. 

Der NÖ Bauernbund heute >