Bernhuber: 'Wir brauchen mehr Realisten in Brüssel' - Bauernbund Niederösterreich

Bernhuber: "Wir brauchen mehr Realisten in Brüssel"

Er ist derzeit quer durch Niederösterreich unterwegs, um gerade mit Bäuerinnen und Bauern über die EU-Wahl und künftige Herausforderungen des gemeinsamen Europa zu sprechen. Der EU-Kandidat des NÖ Bauernbundes, Alexander Bernhuber, im Gespräch mit der BauernZeitung über seine Ansichten.

"Die EU hat Verbesserungspotenzial", ist Alexander Bernhuber überzeugt. Der junge Mostviertler Bauer und Absolvent der Universität für Bodenkultur steht für ein Europa mit "Hausverstand und Augenmaß". © NÖ BB/Gabi Moser

BauernZeitung: Welchen Eindruck nach Deinen Treffen mit vielen Landsleuten hast Du gewonnen, was erwarten sich die Menschen eigentlich von der Europäischen Union?

BERNHUBER: Zentrale Fragen, die die Menschen immer wieder stellen, sind: Warum dürfen Käfigeier oder Hendlfleisch aus der Ukraine nach Österreich importiert werden? Und warum muss das nicht auf der Speisekarte stehen? Oder warum regelt die EU Schnepfen, Wölfe oder Fischotter, nicht aber die Flüchtlingsströme? Da gibt’s viel zu tun. Wir brauchen ein bürgernahes Europa, in dem nicht alles reglementiert und mit unnötigen Geboten und Verboten Chancen verringert werden, anstatt sie zu vermehren. Gerade für die Landwirtschaft sind das wichtige Punkte.

 

Du bist 26 Jahre alt. Wirst Du auch auf Dein jugendliches Alter kritisch angesprochen?

Für mich das schönste Kompliment, das ich gehört habe, war der Satz: „Was will der Bauernbub aus Niederösterreich?" Genau ein solcher bin ich! Ich bin dankbar für das, was ich in meiner Familie und meinem bäuerlichen Umfeld bis jetzt lernen durfte. Und ich habe noch nicht ausgelernt, weil es täglich Neues zu erfahren gibt. Mit diesem Ansatz kandidiere ich auch für das EU-Parlament. Dort gibt es derzeit keinen Abgeordneten unter 30 Jahren. Das können und sollten wir ändern. Bei dieser Wahl können wir neuen Schwung und neue Ideen nach Europa bringen. Ich will auch jungen Menschen Mut machen und aufzeigen, dass es Sinn macht, mitzugestalten. Außerdem habe ich schon als Bundesleiter der Landjugend auf europäischer Ebene viele Kontakte geknüpft. 

 

Im EU-Parlament sitzen 751 Parlamentarier. Kann einer allein überhaupt etwas bewirken?

Als Mandatar der Österreichischen und damit der Europäischen Volkspartei ist man nicht allein. Wir haben ein Österreich-Team mit erfahrenen Abgeordneten und vielen engagierten Kräften, die zusammenarbeiten. Und mit unserem europaweiten Spitzenkandidaten Manfred Weber aus Bayern verbindet uns ein exzellentes Arbeitsverhältnis. Damit ist sichergestellt, dass wir für unsere Anliegen genug Unterstützung in Brüssel bekommen.

 

Welche Rolle sollen die Regionen in der Europäischen Union haben?

Jeder von uns fühlt sich in seiner unmittelbaren Heimat am wohlsten. Nur wenn die Europäische Union dafür sorgt, dass unsere Regionen leben und sich weiterentwickeln, hat sie das Verständnis und die Unterstützung der Bürger. 

 

Wie wird es mit der Europäischen Union in Zukunft weitergehen?

Europa hat sich leider zu oft von den Menschen entfernt, auch wegen allzu "glühender Europäer". Selbst mit der Osterweiterung hat man die Menschen überfordert. Dazu kam die Flüchtlingskrise 2015. So etwas treibt immer mehr Menschen in den Regionen in die Fänge von Populisten und EU-Gegnern, siehe auch den Brexit. Es braucht wieder mehr Realisten in Brüssel, die Politik mit Hausverstand und Augenmaß betreiben. Da kann es nicht schaden, wenn bäuerliche Vertreter mit an den Verhandlungstischen sitzen.

 

Du bist selbst aktiver Bauer. Was braucht die Landwirtschaft, damit sie weiter ihre vielfältigen Leistungen für Österreich erbringen kann?

Dass wir im wohl schönsten Land dieser Welt leben dürfen, verdanken wir der Aufbauarbeit unserer Großeltern- und Elterngeneration. Diese wollen wir fortsetzen und zum Wohl aller weiterentwickeln. Die dafür nötige Unterstützung darf nicht nur aus schönen Worten bestehen. Konkret: Die finanziellen Mittel für die Gemeinsame Agrarpolitik dürfen nicht gekürzt werden. Nur wenn der ländliche Raum mit entsprechenden Mitteln ausgestattet ist, wird er auf Dauer lebenswert bleiben. 

 

Dass die Produktion hochwertiger Lebensmittel primäre Aufgabe der Landwirte bleibt, steht für Dich außer Frage?

Ganz klar, ja! Aber dafür brauchen wir faire Rahmenbedingungen, siehe nochmals die Problematik Käfigeier oder Hendlfleisch aus der Ukraine. Völlig klar ist daher: Was nach Europa importiert wird, muss auch unsere Standards erfüllen. Das gilt derzeit gerade auch für Frühkartoffeln. Vergangenes Jahr mussten 130.000 Tonnen heimische Erdäpfel vernichtet werden. Das war die größte Lebensmittelvernichtung in der Zweiten Republik. Schuld daran sind unsinnige, praxisferne Gesetze und Verbote. Jetzt kommen die Erdäpfel aus Nordafrika. Da fragt aber keiner nach, wie die Knollen dort behandelt wurden. In Ägypten sind beispielsweise Wirkstoffe zugelassen, welche es bei uns schon seit zwanzig Jahren nicht mehr gibt – und das aus gutem Grund. 

Wir brauchen für den Pflanzenschutz geeignete Maßnahmen, um die Versorgung unserer Bürger mit hochwertigen heimischen Lebensmitteln sichern zu können. 

 

Bei der EU-Wahl werden die Mandatare der Volkspartei nun rein durch Vorzugsstimmen ermittelt. Erstmals seit zehn Jahren besteht damit die Chance für den NÖ Bauernbund, wieder einen eigenen Kandidaten nach Brüssel zu entsenden. Wie kann man dich unterstützen?

Alle ÖVP-Kandidaten, egal auf welchem Listenplatz sie stehen, starten am 26. Mai bei null. Diese Herausforderung nehme ich gerne an. Aber ich brauche für meine Direktwahl jede Unterstützung. Wer mich unterstützen will, kann für mich in Gesprächen mit anderen Überzeugungsarbeit leisten. Nur wenn möglichst viele Wählerinnen und Wähler auch "Bernhuber" auf ihren Stimmzettel schrei­ben, kann und darf ich künftig die Bäuerinnen und Bauern im EU-Parlament vertreten. Ich freue mich daher riesig über jeden, der mich auch auf meiner Website unterstützt.

 

Wie willst Du es anlegen, wenn Dir der Einzug ins EU-Parlament gelingt? 

Ich möchte trotz aller anstehenden politischen Aufgaben in Brüssel und Straßburg weiterhin so viel Zeit wie möglich in Österreich verbringen, um gute Kontakte mit der Bevölkerung in meiner Heimat Niederösterreich sicherzustellen, und zwar möglichst auf persönlicher Ebene. Also "mehr Stammtisch und weniger Schreibtisch."  

24. April 2019